· 

Ja zur Effizienz, Ja zum Energiegesetz

«Das Energiegesetz wird den Hausbesitzern helfen, viel Geld zu sparen»

TEILREVISION ENERGIEGESETZ

Engagierte Diskussion zur bevorstehenden Revision des Energiegesetzes. (v.l.) Brigit Wyss, Regierungsrätin, Mark Winkler, Präsident des Hauseigentümerverbandes, Anton Gunzinger, Wissenschaftler und Per Just, Geschäftsführer Städtische Werke Grenchen SWG. 
Hans Peter Schläfli AZ Medien

Experten diskutierten über die Teilrevision des Energiegesetzes.

Volkswirtschaftlich betrachtet rentiert es, von fossilen Brennstoffen wegzukommen. Und: Wir müssen unseren Energieverbrauch senken und mit den knappen Ressourcen sorgsamer umgehen. In diesen beiden Punkten waren sich am Mittwoch im Alten Spital in Solothurn alle Referenten einig, die sich an einer Podiumsdiskussion auf Einladung des Vereins 2000-Watt-Region Solothurn trafen.

Aber ist die Teilrevision des Energiegesetzes, über die das Solothurner Stimmvolk am 10. Juni abstimmen wird, der richtige Weg? Und was passiert mit einem Hausbesitzer bei einer Annahme, wenn er seine Ölheizung auf Geheiss des Kantons ersetzen und eine teure Wärmepumpe installieren muss?

 

Energieverschwendung heute

Als Erstes sprach Anton Gunzinger, Unternehmer, Welschenrohr und Dozent an der ETH Zürich, über die Vorzüge der nachhaltig produzierten Elektrizität. «Die Schweiz verbraucht vier Erden und wir sollten auf eine halbe Erde kommen», beschrieb Gunzinger unseren verschwenderischen Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

Dann zeigte er die Entwicklung der Kosten der Photovoltaik und der Batterien zur Speicherung des ökologisch produzierten Stroms auf. Sein Fazit: «Wer langfristig Geld sparen will, muss jetzt auf erneuerbare Energie setzen.» Auch die Elektromobilität sei heute bereits viel günstiger und umweltfreundlicher als die Herkömmliche. Zur Teilrevision des kantonalen Energiegesetzes, über die am 10. Juni abgestimmt wird, fragte der Experte: «Darf man den Bürger dazu verdonnern, in seinem Haus die beste und preisgünstigere Technik einzusetzen?»

Danach erklärte Urban Biffiger, Leiter der Solothurner Energiefachstelle, warum mit der Teilrevision vor allem die Installationen in den Häusern geregelt werden sollen. «Die Gebäude sind ein sehr energieintensiver Bereich. Etwa 50 Prozent des Energieverbrauchs erfolgt durch Gebäude und jede Verbesserung hat sehr rasch positive Auswirkungen.» Biffiger kritisierte das Gewerbe: Etwa die Hälfte der Gebäudesanierungen würden unsachgemäss durchgeführt. Hier setze die Teilrevision mit strikteren Kontrollen an, was den Hausbesitzern klare Vorteile bringe.

«Das revidierte Gesetz schafft paradiesische Verhältnisse», setzte sich Gunzinger im Podiumsgespräch euphorisch für ein Ja am 10. Juni ein. «Dann wird sich jemand vom Kanton die Sache anschauen und genau durchrechnen, welches die finanziell beste Variante einer Haussanierung ist. Das Energiegesetz wird den Hausbesitzern helfen, viel Geld zu sparen.»

 

Machen die Banken mit?

Dass es sich langfristig, also auf 50 Jahre hinaus betrachtet, sicher rechnen wird, ganz auf erneuerbare Energie zu setzen, sagte auch Mark Winkler, Präsident des Hauseigentümerverbandes. «Aber nicht alle können sich die langfristige Perspektive leisten. Für sie als erfolgreichen Unternehmer ist das kein Problem, sie nehmen die 50'000 Franken für eine neue Wärmepumpe aus dem linken Hosensack», richtete er sich direkt an Gunzinger. «Und falls nicht, werden sich die Banken darum reissen, ihnen die Hypothek zu erhöhen. Aber heute haben viele ältere Arbeitnehmer Mühe auf dem Arbeitsmarkt und wenn es auf die Pensionierung zu geht, werden die Banken eine Hypothek vielleicht nicht mehr um 50'000 Franken erhöhen. Das Haus muss verkauft werden. Eine neue Ölheizung für 15'000 Franken hätte sich der Hausbesitzer vielleicht noch leisten können.»

«Man darf die restriktiven Hypothekarpolitik der Banken nicht mit dem Energiegesetz vermischen. Das ist ein anderes Problem», entgegnete Regierungsrätin Brigit Wyss (Grüne). «Und für solche Fälle gibt es eine Härteklausel, die verhindern soll, dass jemand sein Haus verliert.»

Als Geschäftsführer der Städtischen Werke Grenchen (SWG) kritisierte Per Just die Bürokratie und die Bevormundung des Bürgers, welche durch die Teilrevision des Energiegesetzes entstünde. «Der Staat sollte nur mit gezielten Lenkungsabgaben in den Markt eingreifen.» Sämtliche Publikumsvoten sprachen sich für eine Annahme der Teilrevision aus – was nicht verwundert, waren doch hauptsächlich Sympathisanten des Vereins 2000-Watt-Region Solothurn erschienen.

 

Anlässe der für die Bevölkerung

 

Über die drei Schlagworte Effizienz, Konstistenz und Suffizienz definiert sich der Verein 2000-Watt-Region Solothurn mit seinen 116 Mitgliedern. Mit dem Modell der 2000-Watt-Gesellschaft soll gezeigt werden, wie man seinen durchschnittlichen Energiebedarf von heute 5500 auf 2000 Watt pro Kopf senken – und trotzdem gut leben kann.Die Bevölkerung soll für Energiefragen sensibilisiert werden. Am 16. Mai steht ein Besuch bei der Firma Megasol in Deitingen an. Für den 23. Juni ist eine Feld- und Waldbegehung mit einem Biologen und einem Förster geplant, welche auf die Auswirkungen des Klimawandels im Kanton Solothurn hinweisen. Der Verein führt im Rahmen des Ferienpasses im Juli Schulkinder nach Langenbruck zum Besuch des Ökozentrums und der Solar-Bobbahn. Am 6. September folgt ein Stand am Solothurner Chästag. www.2000-watt-region-solothurn.ch (hps)