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1. August-Festansprache 2019

An der Feier zum 1. August 2019 treffen Sie mich an in

AEDERMANNSDORF

10.30 Uhr


1.-August-Ansprache

 

1. August 2019, 10.30 Uhr

Aedermannsdorf, Schulhausareal

 

Ansprache von Frau Regierungsrätin Brigit Wyss

Vorsteherin des Volkswirtschaftsdepartements

Kanton Solothurn

 

Es gilt das gesprochene Wort!

 

 

 

Liebe Einwohnerinnen und Einwohner von Aedermannsdorf

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Liebe Jungbürgerinnen und Jungbürger des Jahrgangs 2001

 

Als Sie geboren wurden, liebe Jungbürgerinnen und Jungbürger, trat die USA aus dem Kyoto-Protokoll aus. Das Kyoto-Protokoll war der Vorläufer des Pariser Klimaabkommens. Diese Abkommen haben beide zum Ziel, die Klimaerwärmung global zu bekämpfen. Damals forderte der Bundesrat die USA in einem Brief auf, den geplanten Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll nochmals zu überdenken. Umweltschutz sei ein globales Problem, schrieb der Bundesrat, ein Problem, das von allen gemeinsam angegangen werden müsse. Klimaschutz wurde Ihnen, liebe Jungbürgerinnen und Jungbürger also sozusagen in die Wiege gelegt. Es ist deshalb nicht erstaunlich, wenn sich vor allem Ihre Generation jetzt, zwanzig Jahre später lautstark zu Wort meldet und mehr Klimaschutz verlangt. Vielleicht aber waren Sie persönlich noch an keiner Klimademonstration dabei. Vielleicht interessiert Sie das Thema nicht - oder noch nicht – oder Sie lehnen die Forderungen der Klimaaktivisten und –aktivistinnen mehrheitlich ab. Wir sind gewohnt, respektvoll mit verschiedenen Meinungen umzugehen – das gehört zum politischen Alltag in der Schweiz.  

 

Geschätzte Aedermannsdörferinnen und Aedermannsdörfer, als grüne Politikerin bin ich den jungen Menschen dankbar, dass sie mich dazu bringen zu überlegen, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind. Bekanntlich geht bei uns alles immer etwas länger als anderswo, aber dafür funktioniert es dann auch. Die Geschichte der modernen Schweiz beginnt mit der Abstimmung vom 12. September 1848, als die neue Bundesverfassung angenommen wurde. Die Verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft wurde immer wieder überarbeitet und 1874 und 1999 sogar totalrevidiert. Gleich geblieben sind aber über die Jahrzehnte hinweg unter anderem zwei zentrale Werte:

1. Das Schweizervolk und die Kantone sind sich ihrer Verantwortung gegenüber der Schöpfung und gegenüber den künftigen Generationen bewusst.

2. Sie setzen sich für die dauerhafte Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen ein und für eine friedliche und gerechte Ordnung.

 

Die Schweiz als Land ohne Bodenschätze und ohne fossile Energiequellen hat in ihrer Geschichte mehrfach erfahren, dass wir nur mit der Natur und nicht gegen sie leben können. Und wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Heute nimmt die Waldfläche wieder zu und wir können wieder in unseren Seen und Flüssen baden. Wir haben ein neues, strengeres Raumplanungsrecht, das den Boden besser schützt und auch die Landwirtschaft wird gestützt auf das Direktzahlungssystem verstärkt in die Pflicht genommen. Und auch das Pariser Klimaabkommen soll in der Schweiz umgesetzt werden mit dem Ziel, die durchschnittliche globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. All diese Bestrebungen zeigen, dass der politische Wille in der Schweiz vorhanden ist und dass wir uns einig werden, wenn es darauf ankommt. Wir haben uns auf den Weg gemacht und auch wenn es etwas länger geht, werden wir einen gutschweizerischen Konsens finden.

 

Wenn ich aber die Diskussionen in den sozialen Medien verfolge, habe ich manchmal das Gefühl, wir sind noch nicht einmal gestartet. Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ wird heftig und nicht selten unter der Gürtellinie ausgeteilt. Vegetarier gegen Fleischesser, Autofahrer gegen Velofahrer, Klimaaktivisten gegen Flugreisende. Immerhin zeigen die teilweise heftigen Diskussionen, dass unser Bewusstsein gewachsen ist. Es scheint, dass wir uns heute mehr Gedanken über unser Verhalten, über liebgewonnene persönliche Gewohnheiten machen. Und die Auseinandersetzungen braucht es.

 

„Ab heute verbrauchen wir die Ressourcen des nächsten Jahres“ stand vor drei Tagen in der Neuen Zürich Zeitung NZZ. Am 29. Juli also hat die Weltbevölkerung das aufgebraucht, was ihr die Natur für ein Jahr zur Verfügung stellt – so früh wie nie zuvor. Insbesondere die Industriestaaten - und damit auch die Schweiz – konsumieren viel und global gesehen wird es immer mehr. Trotz allen Anstrengungen wachsen die Herausforderungen weiter.

 

Bereits vor fast zwanzig Jahren schrieb der Bundesrat an die USA, dass Umweltschutz ein globales Problem sei, das von allen gemeinsam angegangen werden müsse. Und wie schon vor zwanzig Jahren ist man sich im Grundsatz einig – wieder mit Ausnahme der USA – dass es Klimaschutzmassnahmen braucht. Anders aber als vor zwanzig Jahren wird heute die Forderung nach einer nachhaltigen Entwicklung nicht mehr als Einschränkung gesehen, sondern als neue Chance für die Menschen, für die Umwelt und für die Unternehmen. Die meisten Unternehmen wissen, dass der langfristige ökonomische Erfolg direkt von der Nachhaltigkeit abhängt.

 

Unser Bewusstsein ist also gewachsen und viele von uns sehen die Erde heute so, wie sie die ersten Menschen, die 1969 – also genau vor fünfzig Jahren - auf dem Mond gelandet sind, beschrieben haben: Eine einzigartige, blaue Kugel im Universum und gleichzeitig ein geschlossenes System mit begrenzten Ressourcen. Es ist deshalb sicher kein Zufall, dass auf der Webseite des Naturparks Thal steht: „Natur und Mensch im Einklang: Im Naturpark Thal wird eine Nachhaltige Entwicklung der Region ermöglicht. Dabei steht das Gleichgewicht von Mensch, Natur, Landschaft und Wirtschaft im Vordergrund“.

 

Und das was drauf steht ist gemäss dem Bundesamt für Umwelt BAFU auch drin. Der Naturpark Thal hat für die nächsten zehn Jahre das Label „regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung“ bekommen und ich möchte allen Beteiligten ganz herzlich zu diesem Erfolg gratulieren und ihnen auch für den Durchhaltewillen danken. Ziele zu definieren ist das eine. Die nötigen Massnahmen dazu erfolgreich umzusetzen, das ist das andere. Gemäss Solothurner Zeitung haben weit über 200 Thalerinnen und Thaler aktiv an der Erneuerung des Managementplans mitgearbeitet. Eine eindrückliche Leistung die zeigt, dass man bei diesem Projekt auf dem richtigen Weg ist und ich wünsche dem Naturpark Thal und allen Beteiligten weiterhin alles Gute, viel Erfolg und Freude.

 

Die Landwirtschaft, der Forst, die Jagd und die Fischerei sind heute glaubwürdige Botschafter und Botschafterinnen für einen wirkungsvollen Klimaschutz. Sie stellen sich bereits seit Jahren den neuen Herausforderungen. Und weil die Förster, Bäuerinnen, Jäger und Fischerinnen täglich draussen sind und die Veränderungen hautnah miterleben, werden sie von der Politik auch gehört. Der Kanton Solothurn unterstützt diese Bemühungen und engagiert sich in mehreren Forschungsprojekten, in welchen klimaresistentere Sorten und Anbaumethoden getestet werden. Und auch die Versicherungsbranche passt sich an, damit der Schutz von unseren Häusern und von unserer Infrastruktur weiterhin gewährleistet ist. Weiter werden im Bereich der Wasserversorgung zusammen mit dem Kanton und mit dem Bund Massnahmen erarbeitet, damit das Wasser allen Nutzern gleichermassen zur Verfügung gestellt werden kann.

 

Trotzdem verdient die Klimajugend ernst genommen zu werden. Einige Forderungen sind zwar teilweise sehr abstrakt und politisch nicht mehrheitsfähig. Andere Forderungen aber wie beispielsweise der Ausstieg aus der Kohlekraft ist vor allem für die Schweiz auch energiepolitisch wichtig, weil wir unsere einheimischen erneuerbaren Energien vorantreiben wollen. Auch die Forderung nach einer wirksamen Steuer auf alle Treibhausgasemissionen ist bereits auf der politischen Agenda und könnte bald mehrheitsfähig werden.

 

Geschätzte Aedermannsdörferinnen und Aedermannsdörfer, Veränderungen können wir immer auch als Chance sehen. In diesem Sinne ist für mich als Volkswirtschaftsdirektorin der Naturpark Thal zusammen mit Engagement der Thaler Bevölkerung ein eigentliches Vorzeigeprojekt für gelebte Nachhaltigkeit. Wir haben in der Vergangenheit in der Schweiz gerade mit solchen Projekten immer wieder bewiesen, dass wenn wir aufeinander zugehen und einander zuhören, gute, mehrheitsfähige Lösungen möglich sind.

 

Vielen Dank, dass ich hier sein durfte und für Ihre Aufmerksamkeit.